GEISTLICHES WORT
Liebe, die nicht aufrechnet...
Vor kurzem las ich von folgender Begebenheit:
Da streiten sich zwei und der
eine wirft dem anderen vor: "Warum wärmst du immer wieder alte Geschichten
auf und hältst mir immer meine Fehler vor? Hast du mir nicht schon längst
vergeben?
Der andere antwortet: "Ja, ich habe dir vergeben, aber ich möchte sicher
sein, dass du nicht vergisst, dass ich dir vergeben habe."
Eine Szene, die sich so vielleicht nicht wörtlich, wohl aber sinngemäß immer
wieder abspielt. Wir beten jeden Sonntag im Vaterunser "Vergib uns unsere
Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" oder feiern gemeinsam das
Abendmahl, bei dem wir Vergebung empfangen und einander zusprechen. Und doch
fällt es uns oftmals so schwer, einen Schlussstrich zu ziehen und dem anderen
uneingeschränkt zu verzeihen.
Die Liebe Gottes, wie sie im Leiden und Sterben von Jesus offenbar geworden
ist, rechnet nicht auf, hält nicht vor und trägt nicht nach. Selbst im
Sterben betete Jesus für seine Feinde, bei denen gar keine Schulderkenntnis da war:
"Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun." Auch sie sind in
seine aufopfernde Liebe und sein grenzenloses Erbarmen eingeschlossen.
Bedingungslos wurde auch uns am Kreuz alle Schuld erlassen. Weil einer
bezahlt hat, darf alles Rechnen, Feilschen und Aufwiegen ein Ende finden. Wie oft
hat uns Jesus schon vergeben, ohne dass er einen "Nachtragshaushalt"
aufgetischt hätte. Auch verschickt er keine mahnenden Erinnerungsschreiben, damit uns
seine Großzügigkeit ein schlechtes Gewissen macht. Wohl aber lädt er uns
ein, die erfahrene Wohltat und Vergebung auch bedingungslos für die Schwester
und den Bruder in Anschlag zu bringen.
Im Hohelied der Liebe lesen wir: Die
Liebe rechnet das Böse nicht zu, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft
alles, sie duldet alles! (1.Kor.13,5.7)
Möge uns diese Liebe neu ergreifen
und anstecken, denn ohne sie können wir nicht heil werden.
Eine gesegnete Passions-und Osterzeit wünscht Euch Werner Philipp mit
Familie.





