Immanuelkirche Reichenbach / Friedenskirche Mylau

   
 






GEISTLICHES WORT

Liebe, die nicht aufrechnet...

Vor kurzem las ich von folgender Begebenheit:
Da streiten sich zwei und der eine wirft dem anderen vor: "Warum wärmst du immer wieder alte Geschichten auf und hältst mir immer meine Fehler vor? Hast du mir nicht schon längst vergeben?
Der andere antwortet: "Ja, ich habe dir vergeben, aber ich möchte sicher sein, dass du nicht vergisst, dass ich dir vergeben habe."
Eine Szene, die sich so vielleicht nicht wörtlich, wohl aber sinngemäß immer wieder abspielt. Wir beten jeden Sonntag im Vaterunser "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" oder feiern gemeinsam das Abendmahl, bei dem wir Vergebung empfangen und einander zusprechen. Und doch fällt es uns oftmals so schwer, einen Schlussstrich zu ziehen und dem anderen uneingeschränkt zu verzeihen.

Die Liebe Gottes, wie sie im Leiden und Sterben von Jesus offenbar geworden ist, rechnet nicht auf, hält nicht vor und trägt nicht nach. Selbst im Sterben betete Jesus für seine Feinde, bei denen gar keine Schulderkenntnis da war: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun." Auch sie sind in seine aufopfernde Liebe und sein grenzenloses Erbarmen eingeschlossen. Bedingungslos wurde auch uns am Kreuz alle Schuld erlassen. Weil einer bezahlt hat, darf alles Rechnen, Feilschen und Aufwiegen ein Ende finden. Wie oft hat uns Jesus schon vergeben, ohne dass er einen "Nachtragshaushalt" aufgetischt hätte. Auch verschickt er keine mahnenden Erinnerungsschreiben, damit uns seine Großzügigkeit ein schlechtes Gewissen macht. Wohl aber lädt er uns ein, die erfahrene Wohltat und Vergebung auch bedingungslos für die Schwester und den Bruder in Anschlag zu bringen.
Im Hohelied der Liebe lesen wir: Die Liebe rechnet das Böse nicht zu, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles! (1.Kor.13,5.7)
Möge uns diese Liebe neu ergreifen und anstecken, denn ohne sie können wir nicht heil werden.

Eine gesegnete Passions-und Osterzeit wünscht Euch Werner Philipp mit Familie.

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