Immanuelkirche Reichenbach / Friedenskirche Mylau

   
 






DAS GEISTLICHE WORT

"Hauptsache gesund!"

Dieser Ausspruch fällt des Öfteren, wenn man mit Menschen im Gespräch ist. Ohne Zweifel wird mit diesem Satz richtig erkannt, dass Gesundheit ein hohes Gut ist, das es zu bewahren und zu pflegen gilt. Gerade wenn sie fehlt, merken wir, wie uns die Lebensfreude abhanden kommen und alles in Frage gestellt sein kann. Da ist es nicht verwunderlich, dass die anstehende Gesundheitsreform einen empfindlichen Nerv in der Bevölkerung trifft und Leute verunsichert. Trotz notwendiger Reformen darf die Entsolidarisierung der Gesellschaft nicht so weit fortschreiten, dass am Ende der Gesundheitszustand von der Größe der Geldbörse abhängt oder Menschen wegen ihrer gesundheitlichen Probleme zum "Kostenfall" degradiert werden.

"Hauptsache gesund!" - das kann aber auch Ausdruck einer falschen Lebenseinstellung sein. Aus dem berechtigten Bedürfnis nach Gesundheit und Wohlergehen kann ein Wahn werden, der meint, Leben ist nur Leben, wenn es gesund ist. Folglich wird Krankheit, Leiden, Behinderung und Sterben weitestgehend aus der Öffentlichkeit verdrängt. Die Betroffenen werden zwar medizinisch (noch) gut versorgt, führen aber letztlich ein Nischendasein in der Gesellschaft. Was zählt, sind Gesundheit, Wohlstand und Karriere. Global gesehen steht ja auch die Frage, ob Gesundheit nur ein Privileg eines kleinen Teils der Weltbevölkerung sein kann. Immerhin übersteigen in der Bundesrepublik die medizinischen Kosten ein Mehrfaches des gesamten Bruttosozialproduktes von Afrika!

Da stellt sich die Frage: Was heißt "Gesundheit" und ist sie wirklich die Hauptsache? Findet Leben schon deshalb Sinn und Erfüllung nur weil es körperlich unversehrt ist? Offensichtlich nicht, denn ich kann ganz gesund sein und doch unzufrieden und unglücklich, weil z.B. das Verhältnis zu anderen Menschen zerrüttet ist. Erfüllt, heil und ganz ist unser Leben erst dann, wenn wir im Einklang mit Gott, mit unserem Nächsten, mit uns selbst und mit der Schöpfung leben. Gottes Wort sagt uns, dass Heilung und Heil zusammen-gehören und dass wir beides in Jesus Christus finden können. Er heilt Krankheit und befreit zugleich von Schuld und Entfremdung. Und wo körperliche Heilung nicht möglich ist, macht sein Kreuz mir deutlich, dass auch das Leiden zum Leben dazu gehört und einen Sinn haben kann. Mit seiner Hilfe darf ich es als Teil meines Lebens annehmen und tragen. Der Wochenspruch lädt Gesunde und Kranke ein, sich ganz Gott zu überlassen und in einem tieferen Sinne zu beten: "Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen" (Jer.17,14).


Werner Philipp

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