Andacht zur Jahreslosung
Siehe, ich will ein Neues schaffen; jetzt wächst es auf, erkennt ihr 's denn nicht?
(Jesaja 43,19a)
Das Neue hat unwiderstehlichen Reiz: Neue Kleidung, ein neues Auto, eine neue Wohnung - all dies weckt Bilder von unverbrauchter Frische, von Glanz und Staubfreiheit. Das Neue hat Wert und zeigt es auch.
Auch das "Neue Jahr" ist eine unverbrauchte Chance mit vielen Möglichkeiten. Das Wort der Jahreslosung weist in eine offene Zukunft, in der ein Neues wächst. Es stammt vom Propheten Jesaja, der seinem Volk in der babylonischen Verbannung die Aussicht auf bessere Zeiten öffnet. Israel wird zurückkehren in die Heimat. Ein Neubeginn. Aber er kommt weder durch eigenes Bemühen noch durch Zufall oder aus günstigen Umständen. Gott führt den Neuanfang herauf. Darin liegt eine Entlastung für den Beginn des neuen Jahres: Nicht wir sind aufgefordert, das Neue zu schaffen, ganz von vorn zu beginnen und kreativ zu werden, um frischen Glanz herbeizuwienern. Wir sind lediglich gehalten, auf das zu achten, was Gott selbst beginnen lässt. Jesaja fragt erstaunt: "Erkennt ihr 's denn nicht?" Der Prophet wundert sich, dass die Vorzeichen des Kommenden nicht wertgeschätzt werden. Augen aufhalten ist alles, was verlangt wird.
Denn oft ist das Neue weniger neu als zuerst gedacht. Es sucht Verbindung zu dem, was bereits besteht. Alles Neue wächst aus Bewährtem, knüpft an das, was bereits ist. Das Bild zeigt einen jungen Baum, der aus dem ausgehöhlten Stamm eines älteren Baumes wächst: Ein schönes Bild für neues Wachstum und Beginnen. Es wird groß im Schutz des Bestehenden. Dies weckt Vertrauen: Gott gibt allen Dingen ihren Wert, dem Alten seine Beständigkeit und dem Neuen seinen Reiz. Das Neue braucht das Alte und auch wir Menschen brauchen beides: Das Bewährte, das uns Sicherheit und Orientierung gibt und das Neue, das drohende Erstarrung aufbricht. Der Baum im Baum macht Mut, beides wahrzunehmen - in der Gewissheit, dass Gott das Gute neu wachsen lässt und wir eingeladen sind, es offenen Auges entstehen zu sehen.
Uwe Rieske





